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Glückliche Haupt- und Nebendarsteller |
Die Oscars vergangen Sonntag starteten gut. Mit Seth MacFarlan, dem Schöpfer von "Family Guy" wagten die Academys einen neuen Versuch die Awards aufzupeppen - und es gelang. Seth schafft es den oft doch eher trockenen Oscar Verleihungen einen ganz neuen, witzigen Touch zu geben, der allerdings oft haarscharf an der Schmerzgrenze vorbei schlidderte. So kam es, dass es trotz einiger Lacher auch entsetzte Gesichter zu sehen gab, als er sein Lied „We saw your Boobs“ zum Besten gibt, in dem er die Nacktszenen von den Hollywooddamen besingt.
Als meine ersten Favoriten schon schnell bestätigt werden, bescherte mir dies ein gutes Gefühl für den weiteren Verlauf der Show.
„Paperman / Im Flug erobert“ gewann den Preis für den
besten animierten Kurzfilm und
Christoph Waltz wurde, wie erwartet, mit dem Oscar als
bester Nebendarsteller geehrt. Seine Danksagung, zitternd und überwältigt, bescherte dem Österreicher noch viel mehr Sympathiepunkte, als er ohnehin schon hat.
Dann kames aber zu einem Dämpfer meinerseits. Mein Lieblingsregisseur Tim Burton konnte für seinen Film leider keinen Oscar mit nach Hause nehmen. Wieder nicht. So ist es der Kinderfilm
Merida, der als
bester Animationsfilm das Rennen macht! Klar, dieser passt viel besser in die Mainstrem Awards. Dennoch schade.
Life of Pi, ein Film, den ich ohnehin schon sehr hoch angesiedelt hatte, gewann dafür die meisten, so begehrten, goldenen Figuren. Vier Stück! Und zwar waren diese für
Kamera,
Visual Effects (wie überraschend!
), die
Original Partitur und auch Ang Lee bekam eine Auszeichnung als
bester Regisseur.
Zwischendurch war die Oscarverleihung, nicht nur durch Seths Späßchen, außergewöhnlich und ungewohnt musiklastig. So kam es, dass nach einer Übersicht aller James Bond Songs der letzten 50 Jahre auch Shirley Bassey mit ihren 76 Jahren, aber immer noch sehr kräftigen und absolut talentierten Stimme ‚Goldfinger‘ zum Besten gab und auch Jahre später noch mit dieser Nummer überzeugte.
Im späteren Verlauf hört man schließlich auch noch eine wunderschöne Adele mit ‚Skyfall‘, mit dem sie auch den Oscar für den
besten Song für sich gewann. Wunderschön hergerichtet und sehr sympathisch kam sie rüber, als sie auf der Bühne standt und kaum ein Wort rausbrachte, weil sie sonst angefangen hätte laut in heftige Tränenschauer auszubrechen – weshalb sie sich dazu entschloß das Mikrofon schnell weiterzureichen.
Die absolute Krönung der Musikauftritte kommt allerdings, als die Les Miserables Crew ihren Song präsentiert. Ich kenne den Film nicht, aber der Auftritt erzeugte bei mir richtiges Gänsehautfeeling. Anne Hathaway, Hugh Jackman, Russell Crowe, Amanda Seyfried, Sacha Baron Cohen, Helena Bonham Carter singen zu sehen hat mich nun doch überzeugt den Film noch einmal unter die Luppe zu nehmen.
Auch war es
Les Miserables, der für den
besten Ton einen Oscar bekam, ganz meiner Erwartung nach ebenso für
Make Up und Hairstyling und natürlich
Anne Hathaway als
beste Nebendarstellerin, die unter anderem aber auch wegen ihrem Nippelalarm-Kleid auffiel.
Wegen Stimmengleichheit kam es übrigens zu einer Ausnahme: für den
besten Tonschnitt kam es diesmal zu zwei Gewinnern -
Zero Dark Thrity und James Bond Skyfall erhielten jeweils die beliebte Trophäe.
Obwohl in der Oscarnacht offensichtlich alle Männer im Lincoln Fieber waren, zumindest erschienen Ben Affleck und George Clooney mit langem Bart, schaffte es der zwölf mal nominierte
Lincoln nur zum
besten Szenenbild und einer Auszeichnung für den
besten Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis.
Ausgezeichnet für den
besten Fremdsprachigen Film wurde Österreich mit
Liebe. Dieser war ebenfalls für den besten Film nominiert, schaffte es aber nicht gegen den - von Michelle Obama angekündigten-
Argo, was Ben Affleck absolut sprachlos machte, nachdem dieser auch schon den Preis für das
beste adaptierte Drehbuch gewonnen hatte. Auch auf seine Cutter konnte und kann er stolz sein, die bereits eine Stunde zuvor den
besten Schnitt gewonnen hatten.
Auch Tarantinos
Django konnte da nicht mithalten, doch dafür wurde der Meister mit dem ausgezeichnet, was seine Filme schließlich auch so unverwechselbar macht: Mit dem
besten Originaldrehbuch. Tarantino konnte zwar mit seinem offenbar zu gewagtem Film auch nicht den Regiepreis mit nach Hause nehmen, wird aber mit seinem kreativen, phantasievollem Autorentalent gewürdigt und verlässt die Bühne mit den Worten, dies sei das „Writers year!“
Den Preis für die
beste Hauptdarstellerin nimmt
Jennifer Lawrence entgegen, die mir nun wohl ewig wegen ihres atemberaubenden Kleides in Erinnerung bleiben wird, welches sie allerdings auch kurz vor dem Entgegennehmen der Trophäe zum Sturz brachte.
Schade für die jüngste Hauptdarstellerin, die jemals nominiert wurde. Quvenzhané Wallis war mit ihren neun Jahren und ihrer Hundetasche so unglaublich süß – umso schöner wird es zu sehen wie sie sich mit Jennifer Lawrence freut, statt traurig zu sein.
Beasts oft he Southern Wild steht übrigens immer noch auf meiner To Watch Liste, und nach der Oscarnacht mit noch einem Unterstrich.
Was ich von dieser Oscarverleihung sonst mitgenommen habe?
Argo, welcher absolut an mir vorbeigegangen ist, muss nun dringend nachgeholt werden, ebenso Hitchcock (dieser war nominiert für das beste Make Up).
Der mal so wunderschöne, heiße John Travolta sieht mittlerweile aus wie Ken und Kristen Steward machte zwar schon im Publikum keine gute Figur und sah aus wie auf Drogen, sollte man aber erst Recht vermeiden als Anmoderation einzusetzen. Unglaublich wie eine Schauspielerin, die täglich der Presse ausgeliefert ist kaum einen Satz raus bekommt und ihr die Unsicherheit deutlich anzumerken ist. Überhaupt hat man immer das Gefühl, sie wäre jetzt viel lieber wo anders. Ach und: Dustin Hoffmann ist soooo alt geworden.
Alles in allem war es eine sehr unterhaltsame, spannende Oscarnacht - Seth MacFarlan, das haben Sie gut gemacht!
Andere Filme, die mir nichts sagten, aber gewannen und unbedingt geguckt werden sollten:
- Bestes Kostümdesign: Anna Karenina
- Bester Dokumentar-Kurzfilm: Inocente (Welchen ich mir nun allein schon unbedingt wegen der hammersüßen Crew anschauen will, die sich gegenseitig mit weinen angesteckt hat)
- Bester Dokumentarfilm: Searching for sugarman
- Bester Kurzfilm: Curfew
Habt Ihr die Oscarnacht mitverfolgt?
Seid Ihr mit den Gewinnern zu frieden?
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Die Les Miserables Crew bei ihrer Live Perfomance |